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Made in France

Es gibt unzählige Lautsprecher in allen Preisklassen. Entsprechend schwer ist es, aus der Masse herauszustechen. Wer dann auch noch eher konventionell aussieht, hat es im Wettbewerb nicht leichter. Die Davis Acoustics Courbet No 8 jedoch zu übersehen, wäre ein Fehler.

Zum Glück gibt es unter Lautsprecherfreunden viele, denen die Optik nicht das Wichtigste ist – oder die es sogar schätzen, wenn ein Lautsprecher auch wie ein Lautsprecher aussieht. Ich gehöre eindeutig dazu. Boxen von Spendor, Harbeth oder ATC gefallen mir einfach. In genau dieses Beuteschema passt auch die Courbet No 8 von Davis Audio, besonders in der Ausführung Walnuss.

Dass ihr Gehäuse leicht nach hinten geneigt ist, wirkt in diesem Umfeld beinahe schon progressiv. Dahinter steckt allerdings weniger ein Design-Gedanke als vielmehr ein akustischer. Die Neigung sorgt dafür, dass die Schwingspulen der drei Treiber vertikal korrekt zueinander ausgerichtet sind. Das verbessert das Phasenverhalten und kommt letztlich auch der räumlichen Abbildung zugute.

Die Courbet-Serie

Die Courbet-Serie umfasst insgesamt fünf Modelle plus Center. Statt Namen tragen die Lautsprecher Nummern. Los geht es mit der No 3, die wir in HiFi Test 3/22 getestet haben. Hinzu kommen die Standboxen No 4 (HT 2/23) und No 5 (HT 2/24). Alle drei Testberichte finden sich übrigens auf hifitest.de.

Im Bericht zur No 3 von Christian Bayer wird auch erklärt, dass der Name der Serie zwar auf den berühmten Maler Courbet verweist, das französische Verb „courber“ aber ebenso „sich neigen“ oder „sich verbeugen“ bedeutet. Das greift die charakteristische Rückneigung der Gehäuse sehr passend auf.

Preislich startet die Serie bei 1.990 Euro und reicht bis 5.990 Euro für die No 8. Gemeinsam ist allen Modellen eine erfreulich hochwertige Ausstattung: hausgemachte Chassis, frei verdrahtete Weichen und eine interne Kupferverkabelung mit Teflon-Ummantelung. Und noch etwas hebt Davis positiv hervor: Produziert wird in Frankreich – und eben nicht in China.

Treiber und Konstruktion

Der Hochtöner arbeitet mit einer 28-mm-Gewebemembran und setzt bei 2,5 kHz ein. Die Entwickler sind von diesem Treiber offenbar so überzeugt, dass sie ihn selbst in deutlich teureren Modellen unverändert einsetzen.

Der Mitteltöner übernimmt ab 250 Hz und nutzt eine 13-cm-Kevlar-Membran. Sichtbar ist das auf den ersten Blick nicht, denn die normalerweise gelben Kevlar-Fasern wurden hier schwarz eingefärbt – was ich persönlich für eine sehr gute Entscheidung halte.

Für den Bass setzt die No 8 auf ein eigens entwickeltes 21-cm-Carbonfaser-Chassis. Das ist eine ausgesprochen angenehme Größe, denn ein Treiber mit diesem Durchmesser kann bereits ordentlich Luft bewegen.

Auf dem Papier verspricht die Bestückung einen angenehmen Hochton, tiefe und straffe Bässe sowie einen typisch Kevlar-geprägten Mittelton – also eine Mischung aus dezenter Wärme und Präzision. Man ahnt schon vor dem Hörtest, dass Begriffe wie „natürlich“ und „musikalisch“ fallen werden. Zwinkersmiley.

Interessant ist zudem die Gehäusekonstruktion. Vorn sitzt ein klassischer Bassreflexport, was kaum überrascht. Auf der Rückseite findet sich zusätzlich jedoch eine Öffnung für den Mitteltöner – ein Detail, das man eher selten sieht. Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen Reflexkanal, sondern vielmehr um eine Druckentlastung. Anders gesagt: Der Mitteltöner spielt nach hinten offen.

Das Gehäuse selbst besteht aus verstrebtem MDF. Die Verarbeitung ist gelungen. Zum Lieferumfang gehört außerdem eine magnetisch haftende Stoffabdeckung, die bei Bedarf die komplette Front verdeckt.

Davis empfiehlt die No 8 ausdrücklich für größere Räume – was gut zu unserem Hörraum mit exakt 62 Quadratmetern passt. Der Hersteller verspricht Tiefbass bis hinunter zu 35 Hz. Das braucht nicht jeder unbedingt, vielen Hörern ist es aber wichtig. Mit einer Empfindlichkeit von 92,5 dB zeigt sich die Box zudem vergleichsweise verstärkerfreundlich. Gleiches gilt für die Impedanz, die sich konstant um 5 Ohm bewegt.

Hörtest

Es ist immer ein wenig billig, einen Hörtest gleich mit offener Begeisterung zu beginnen. Aber hier hilft nichts: Die Courbet No 8 ist für mich ganz klar die bisher beste Courbet. Sie spielte sich sofort in mein Herz – mit Musikalität und Spielfreude.

Zum Einstieg läuft bei mir gerne Metal, und genau dort fühlte sich die Box sofort wohl. Die No 8 ist nämlich leicht freundlich abgestimmt. Ihr Präsenzbereich nimmt sich dezent zurück, was gerade bei verzerrten Gitarren – besonders bei Soli – eine sehr gute Idee ist.

Auf dem Megadeth-Album „Endgame“ von 2009 liefern sich Dave Mustaine und Chris Broderick regelrechte Solo-Duelle nach dem Motto: höher, schneller, weiter. Dass in den Booklets vieler Megadeth-Alben genau vermerkt ist, wer welches Solo spielt, ist zugleich herrlich oldschool und ein wenig selbstverliebt. Bei „Dialectic Chaos“, dem Opener, macht genau das großen Spaß – nicht zuletzt, weil das Stück im Grunde fast nur daraus besteht.

Sobald Mustaine ab dem zweiten Titel zu singen beginnt, zeigt die Davis ihre eigentliche Qualität: Stimmen gibt sie sehr überzeugend wieder – natürlich, unverfärbt und mit Körper. Sie klingen weder dumpf noch an Höhenarmut leidend. Ob Männer- oder Frauenstimmen: Immer entsteht der Eindruck einer angenehmen Echtheit, wie man sie oft erst in höheren Preisklassen bekommt.

Die Abstimmung hilft auch dabei, dass S-Laute nicht unangenehm hervortreten. Das überprüfe ich zurzeit gerne mit der aktuellen Einspielung des Musicals „Sunset Boulevard“. In dieser Hinsicht kann man klar Entwarnung geben.

Gleichzeitig bleibt ein heller Grundcharakter, etwa bei a-has „Take On Me“, vollständig erhalten. Dass man diesen Song trotzdem mit Freude richtig laut hören kann, spricht nur umso deutlicher für die gelungene Abstimmung.

Transparent spielt die Davis Courbet No 8 also durchaus – ein nüchterner Studio-Monitor will sie aber ganz offensichtlich nicht sein. Ihr Ansatz ist ein anderer: Sie spielt betont musikalisch, mit einer sympathischen Gelassenheit.

Bleibt noch der Bass. Und der ist wichtig, denn er trifft herrlich die Mitte zwischen trocken und federnd. Er bleibt auch bei kleineren Pegeln punchy, was ich persönlich sehr schätze, ist gleichzeitig aber präzise, gut durchhörbar und vor allem farbig. Er verleiht Musik Rhythmus, Energie und das Gefühl, selbst Freude an der Sache zu haben.

Dreht man den Pegel weiter auf, wächst die Bühne mit. Am Ende entsteht fast das Gefühl, in der Musik zu baden. In Summe ist die Courbet No 8 ein echter Wohlfühllautsprecher auf Top-Niveau – und einer, der seinen Preis am Ende durchaus fair erscheinen lässt.

Fazit

Groß, kompetent, mit exzellentem Bass, hochmusikalisch und dabei immer leicht gnädig: So präsentiert sich die größte Courbet von Davis Acoustics. Ein hervorragender Lautsprecher.

Alexander Rose-Fehling


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