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Test Courbet Nr.3

Testbericht Courbet No.3 HIFI TEST

Charmebolzen
In Frankreich gibt es eine große Anzahl berühmter Lautsprecherfirmen. Dass man auch seit einiger Zeit auch Davis dazu zählt, ist hierzulande eine etwas neuere Erkenntnis, an die man sich aber gewöhnen darf.

Ich liebe kleine Lautsprecher. Einige Gründe dafür liegen auf der Hand: weniger Gehäuse, weniger Probleme. Die Nachteile auch: weniger Gehäuse, weniger Klangfülle und Ausdehnung. Aber wenn ein kleiner Lautsprecher gut gemacht ist, adäquat angesteuert und aufgestellt wird, kann er eine Illusion erzeugen, die der eines guten Elektrostaten sehr nahekommt. Davis Acoustics war mir bis vor kurzem noch kein Begriff, denn in Deutschland waren eigentlich nur die vielen sehr guten Chassis und Kits der Franzosen bekannt. Das ändert sich gerade, denn seit einiger Zeit sind die Fertiglautsprecher der Marke im Vertrieb von BT HiFi. Nach den Krypton 6 Standlautsprechern ist die Courbet N°3 das zweite Modell, mit dem ich mich beschäftige und vorneweg kann ich ihr einen Firmenklang attestieren, den ich fl apsig mit angenehm beschreiben mag. Mehr dazu später. Olivier Visan lenkt seit 2014 die Geschicke der nordfranzösischen Firma und ich habe den Eindruck, er tut das mit viel Feingefühl. Bis zum Tod seines Vaters Michel 2012 war Davis doch eher für seine Chassis bekannt, in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts lieferte man ausschließlich Treiber für andere Firmen und daher gehört dieser Bereich einfach zur DNA von Davis. Aktuell sind knapp 200 verschiedene Modelle im Angebot, damit ist Davis kein kleiner Spieler auf dem Markt der Chassisanbieter. Und doch wird nun auch für uns ein deutlich nachvollziehbares Profi l im Bereich Fertiglautsprecher sichtbar. Und das macht schließlich auch Sinn, denn wer könnte die Qualitäten der hauseigenen Chassis besser verstehen und einsetzen, als der Entwickler selbst?
Absatz: Seit 1994 fi nden Chassis und Lautsprecherentwicklung- und Produktion im Nordosten Frankreichs statt, im ehemaligen Keltenort und Bischofssitz Troyes statt. Die Courbet-Serie besteht aus insgesamt fünf Modellen, die N°3 ist der Kleinste. Warum sie dann N°3 heißt, muss ich nicht verstehen. Namensgeber dafür ist Gustave Courbet, ein berühmter französischer Maler des 19. Jahrhunderts und Hauptvertreter des sogenannten Realismus – das passt schon mal für eine Lautsprecherserie. Aber es gibt noch eine Zweitbedeutung, denn das französische Verb „courber“ bedeutet unter anderem „sich neigen“, was sich auf die Gehäuseformen der Courbet-Serie bezieht, deren Kanten um einige Grad nach hinten geneigt sind. Die Gehäuse sind ausgezeichnet gefertigt und gerade die echtholzfurnierten Versionen machen einen sehr edlen Eindruck. Neben der geneigten Gehäuseform teilt sich die Courbet-Serie den neuesten Davis-Hochtöner. Das ist eine klassische 28-mm-Seidenkalotte deren Entwicklung laut Olivier Visan letztendlich der Ausgangspunkt bei der Entwicklung der gesamten Serie war. Sein Abstrahlwinkel und die Rundstrahlcharakteristik sind hervorragend und man kann kreuz und quer im Raum herum laufen, ohne allzu viel Hochtonenergie zu verlieren – ich schätze das sehr. Hinter seiner Sicke befi ndet sich ein doppelter Hohlraum, der die gerade in diesem Bereich so sensiblen Verzerrungen reduzieren soll. Dadurch kann der Hochtöner sehr hohe Lautstärken handeln, ohne klanglich aufzubrechen. Durch seine große Schwingspule hat er eine besonders niedrige  Resonanzfrequenz und wird erst bei deutlich über 3kHz mit 18dB/Oktave ins Spiel gebracht. Typisch für Davis-Hochtöner ist seine rückwärtige Dekompressionskammer, um die hinteren Schallanteile der Kalotte absorbieren zu können, was wiederum die Klangreinheit erhöht. Der klangentscheidende 130mm durchmessende Tiefmitteltöner aus schwarz gefärbtem Kevlar in der aktuellen Evolutionsstufe – die Farbe ist hier wirklich nur Optik, sie hat keinen Einfl uss auf den Klang – macht in der N°3 die Hauptarbeit, denn der Hochtöner kommt ja erst deutlich oberhalb von 3kHz ins Spiel. Kritiker sprechen Kevlar ja gerne einen Eigenklang zu, sie sollten sich einmal eine Davis anhören, die vor allem durch ihre natürlich glänzt. Er hat einen besonders stabilen Korb aus Zamac, einem Alugussmaterial, das in Deutschland durch die Platine Verdier, einem legendären Plattenspieler, bekannt geworden ist. Der Treiber ist sehr gut belüftet und hat auch eine niedrige Resonanzfrequenz. Zudem bekam er eine für Davis typische exponentielle Membrangeometrie, die seine Fläche in der Tiefe erweitert und die Empfindlichkeit erhöht. Ihr Aluminium-Phaseplug, der auf dem Magneten befestigt ist, stabilisiert den Treiber und erhöht laut Olivier Visan die Empfi ndlichkeit zwischen 2000/3000 Hz und etwa 8000 Hz im Vergleich zu einer Staubschutzkalotte. Die oberen Mitten, sprich, also vor allem Stimmen sollen dadurch offener klingen. Die Weiche ist frei verdrahtet, die Spulen sind sehr niederohmig gehalten und es fi den sich schöne MKP-Kondensatoren vom franzö-sischen Spezialisten SCR vor dem Hochtöner. Der komplette Lautsprecher wird in Troyes  zusammengebaut, wenngleich Davis die hervorragende Gehäusefertigung andereren Fachbetrieben überlässt. Jedenfalls stimmt die Qualitätskontrolle zu 100 %. Die Bassreflexöffnung sitzt anders als bei der Krypton ganz klassisch hinten, die Kleine braucht also etwas Luft bei der Aufstellung, aber da man sie typischerweise auf Ständern platziert, dürfte das kein Thema sein. Bedämpft ist sie nur mit einem kleinen Stück Schaumstoff, das an Wolle erinnert. Schon mit den ersten Tönen erinnert mich die Courbet N°3 an die Krypton 6, allerdings ohne deren leicht dunkle Färbung. Wie die klingt sehr einnehmend, realistisch und natürlich – leicht auf der warmen Seite der Neutralität aber genau das macht das Hören mit ihr wie mit der Krypton 6 so angenehm. Durch einen guten Wirkungsgrad und ein freundliches Impedanzminimum von 4 Ohm wird sie zur leichten Last und spielt gerade mit dem tollen Cayin Sound 170i im Triodenmodus betörend schön zusammen. Hier und da mag sie aber auch einen kleinen Leistungstritt und dann kommt ihr der Ultralinearmodus des Cayin gerade Recht. Pat Methenys Traumalbum „What´s it all about“ gibt sie mit so viel Wärme und Magie wieder, dass ich mir kaum denken kann, dass es noch schöner klingen kann. Oder die Stimme von Gianmaria Testa samt seiner so erlesen Band auf „Altre Latitudini“, die so edel, so schön, so intim klingen, dass ich gar keinen Feierabend machen möchte. Doch bevor Sie denken, die Courbet N°3 ist ein reiner Kuschellautsprecher, möchte ich widersprechen: Sie ist ein Wohlfühl-lautsprecher. Hören Sie sich einmal die Kombination von schwierig abzubildender Stimme und großer, dynamischer Trommel auf „Deeper Well“ von Emmylou Harris an. Ihre Stimme authentisch rüber zu bringen, gelingt der kleinen Courbet mit Leichtigkeit und selbst die große Trommel stellt sie so in den Raum, dass ich ihre Dimensionen nachvollziehen kann. Und wenn das Stück Fahrt aufnimmt, immer komplexer wird, verliert sie nie die Übersicht. Ich bin geneigt, das großartig zu finden.

Fazit

Die Davis Acoustics Courbet N°3 ist ein wunderschöner Kompaktlautsprecher,
der einen ausgezeichneten Kompromiss zwischen Ausgewogenheit und Lebendigkeit darstellt. Sie spielt weit größer als ihre kompakten Maße vermuten lassen und über allem steht ihre humane Abstimmung, die immer der Musik dient. Ich verneige mich.
Christian Bayer

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